Manchmal

by s

Manchmal

bin ich eifersüchtig, aber nicht im negativen Sinne, sondern im eifrigen Sinne - eifrig eifersüchtig auf ein Haus fernab, ein einsames Haus auf einem Hügel, das ich immer wieder beim Vorbeifahren heimlich erspähe. Denn es sieht so friedlich aus, so abseits, unbekannt und unbekümmert. Ich würde so gerne ein Haus besitzen, auf einem Hügel, und vor allen als erstes von der Sonne gegrüßt werden. Ich würde so gern in einem Haus, das ich mein Eigen nennen darf, auf einem Hügel sitzen und im kühlen Abendnebel verschwinden, mit dem Regen verwässern oder sich dem Schneeweiß hingeben, während ich vielleicht in einem Knautschsack versunken in eine Geschichte versinke, das Brutzeln meiner Spiegeleier belausche, wie es durch die Küche hallt oder meine Silhouette im Badespiegel beobachte, wie sie mir vom Sonnenlicht gezeichnet gesund folgt. Ich würde so gerne ein Haus haben, dass ich mit Freuden betreten kann, wenn mir das tief orangene Abendlicht meiner Lampen schon entgegenleuchtet und eine allseits bekannte Kaminbrise durch die Flure weht. Ich war mal bei einem Cousin eines damaligen Freundes zu Besuch, eines einst guten, gar besten Freundes. Ich war beim ersten Anblick schon verliebt in das Wohnzimmer. Sie bestand aus einer Längswand bis zur Decke voll gestopft mit Büchern und einem weinroten Sessel mit ausfahrbarer Fußablage, der so groß und weich war dass man sich überhaupt nicht vorstellen konnte, wie jemand dort nicht für immer verweilen würde, nie mehr aufsteht. Von hinten aus der Terrasse kam klares, natürliches Licht, was einem beim Lesen, gar beim Leben hilft. Ich wollte nie wieder weg von hier. Ich glaube, die Leute dieses Hauses wissen nicht, wie toll sie es dort haben, wissen nicht, was sie missen würden. Der Alltag macht einen nichtsahnend. Es ist albern, wie ich eine Irrealität mehr misse als sie. Es ist albern, wie ich eifersüchtig bin über etwas, was sie niemals missen würden.